UdK Berlin Rundgang 2021

NEO MARY

Anna Windrich

Maria, die am häufigsten dargestellte biblische Frauenfigur, wird als devote, schweigsame Persönlichkeit repräsentiert. Dieses Bild hat sich gesellschaftlich manifestiert und reproduziert. Daran lässt sich erkennen, dass Darstellungsformen Teil eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses sind, welcher zur jeweiligen Zeit reguliert, was sagbar und zeigbar ist, der jedoch auch immer beweglich und durch Interventionen veränderbar ist. Das Projekt NEO MARY regt dazu an, die gewohnten christlichen Darstellungen in Frage zu stellen und einseitige sowie männlich dominierte Repräsentationen aufzuzeigen und zu kritisieren. Ziel ist es, den Repräsentationskreislauf der demütigen, stillen und gefügigen Frau zu durchbrechen und Maria Raum für eine neue und zeitgemäße Stimme zu geben.

Das Glasbild „Neo Mary“ ist eine Neuinterpretation des im Kunstgewerbemuseum Berlin ausgestellten Glasgemäldes „Geburt Christi“ von Peter Hemmel. Wie das Original, zeigt „NeoMary“ Maria im blauen Marienmantel in der bekannten Stallszenerie mit Ochse und Esel, nimmt den Titel jedoch wörtlich.

Erhobenen Hauptes blickt die Gebärende die betrachtende Person an und beherrscht den Raum. Die klassische Darstellung Marias als devote und schweigsame Person wird überwunden, die Fremdbestimmung abgelegt.

Hemmels Werk stammt aus einer Zeit in der das Christentum in vielen Kulturkreisen sinnstiftend war und die Lebenswelten stark beeinflusste. Auch wenn in weiten Teilen die Institution Kirche an Bedeutung eingebüßt hat, ist auch 540 Jahre später noch die westliche Kultur und Gesellschaft stark von christlichen Traditionen und Denkweisen bestimmt. In den modernen Familien- und Rollenbildern werden christliche Werte und Subjektivierungsweisen fortgeschrieben, verschiedene Formen der Diskriminierung werden religiös legitimiert und nicht zuletzt wird der Akt der Geburt nach wie vor tabuisiert. Das Glasbild im Format 48 x 58 cm besteht aus insgesamt 36 transparenten Buntglasstücken, die in Bleiruten gefasst sind.

Prozess

Kontext