UdK Berlin Rundgang 2021

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Bewegung ist Flexibilität. Bewegung ist die Entwicklung vom zweidimensionalem ins dreidimensionale. Bewegung ist Inflation. Bewegung ist BLOBJECT. Inspiriert von aufblasbaren Konstruktionen aus plastischen Strukturen, die durch Luftdruck ihre Form erhalten, entstand die Auseinandersetzung mit aufblasbaren Objekten. „Inflatable Objects“ und „Inflatable Architecture“ haben den Vorteil, dass sich diese durch ihre Flexibilität an verschiedenste Situationen (Krisen) bzw. Bedingungen anpassen können. Durch die Möglichkeiten der Veränderung von Größe, Volumen und Formen sind sie praktisch und transportabel. Luft als allgegenwärtiges Element und „Material“ braucht nur einen Rahmen, um Gestalt anzunehmen und seine Eigenschaften nutzen zu können. BLOBJECT ist ein „Inflatable Object“, das verschiedene Sitzmöglichkeiten anbietet. Durch die zwei materiell und formal unterschiedlichen Elemente ergeben sich ästhetisch als auch funktional verschiedene Varianten. Die beiden Parameter, Pneu & Stahlrohr funktionieren als Antagonisten, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Pneu wird einerseits durch das Metallgerüst in seiner Form verändert. Andererseits wird das Metall durch das Pneu erst benutzbar gemacht. Durch die Flexibilität des pneumatischen Körpers und der Form des Metallgestells ergeben sich auf den vier unterschiedlichen Seiten variierende Sitzmöglichkeiten und Nutzbarkeiten. Aufgrund der Leichtigkeit des Pneus und der simplen Gestaltung des Stahlrohrs ist BLOBJECT mobil und kann an beliebigen Orte bewegt und installiert werden.

BLOBJECT

Theresa Schwaiger

Der Tourismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landschaften und Kulturen weltweit in ein Objekt von Freizeitkonsum zu verwandeln. Dinge, die auf Reisen gekauft werden, sind - neben dem Fotografieren – das wichtigste Mittel, das Dort-gewesen-sein festzuhalten; den flüchtigen Eindruck einer Reise Dauerhaftigkeit zu verleihen. Das Souvenir, die objekthafte und oberflächliche Erinnerung an einen fremden Ort (frz. se souvenir = sich erinnern), kann als Beispiel vor Augen führen, wie sich der moderne, globalisierte Mensch von heute „seine“ Umwelt aneignet und (Urlaubs-) Landschaften verbraucht. Die raumgreifende Installation aus Stahl zeigt sich im Deckmantel eines Souvenirshops, dessen Exponate/ Souvenirs mit einer Augenzwinkernden Träne auf den Ausverkauf der Erde anspielen. In pool-blau steht der Souvenirshop stellvertretend als künstliche Kulisse einer sommerlichen Urlaubslandschaft. Teil davon ist auch eine unbequeme Strandliege mit Sonnenschirm (Tourists only), von der aus man den unendlichen Sonnenuntergang auf einem Servierwagen serviert bekommt. (en. infinitiy sunset = das unendliche Ende). Dabei steht nicht nur das Ladenschild um 2 Grad (Pariser Klimaabkommen) schief. Es werden Souvenirs gezeigt, die sich am Gewöhnlichen bedienen: Herkömmliche Plastikverpackungen fragen mit 3D gedruckte Muscheln nach natürlicher Authentizität, durchgelegene Strandliegen zeigen Spuren der Verwüstung und die Glasgefäße sind für den „Sand von deinem Lieblings-Strand“ oder eher für das „Wasser aus deinem Lieblings-Pool“ gedacht. Selbstverständlich im sprachlichen Gewand deines Lieblingslandes, nur eben so, dass auch jede*r es verstehst. „Wenn die sommerliche Leichtigkeit des globalen Fortschritts zu Ende geht“ Anna Loewenhaupt Tsing

Ein Kommentar zum Ende des Erhabenen

Moritz Korbinian Kreul

Durch Klimawandel, das Schädigen der Biosphäre, Versauerung der Meere, Entwaldung, Müllverschmutzung, Vernichtung der Biodiversität und vielem mehr wird das terrestrische Leben, so wie wir es kennen, bedroht. Zum Vermeiden der Katastrophe werden in unserer zivilisierten, durch Kultur und Technologien bestimmten Welt dabei oft Natürlichkeit und Künstlichkeit miteinander verhandelt. Dabei treten wir als die künstlichen, technologisierten und kulturellen Akteure auf und betrachten die Welt um uns oft als passiv und ursprünglich. Doch sind diese Kategorien obsolet. Natur und Kultur sind vielmehr konstitutiv für einander. Daher erscheint die Frage nach ihren Berührungspunkten spannender. Wo finden die Grenzübergänge statt? Wo wirken die verschiedenen Gefüge aufeinander? Wo geschieht das gemeinsame Werden? Das Werden in Bündnissen? Wer ist mit wem infiziert und welche neuen Gefüge entstehen? In A Thousand Seeds or the Right to Becoming wird die Ansteckung des Samens mit menschlicher Kultur , den Katastrophen, dem Verlust der Biodiversität behandelt. Durch den Affekt mit und die Faszination von menschlichen technologischen Netzwerken wurde auch er zu etwas anderen und tritt heraus aus seiner scheinbaren Passivität und zeigt seine eigene Handlungsmacht. Durch die Erweiterung seiner Wahrnehmung durch den Kontakt zur Drohne und das parasitäre Nutzen des Internets, beginnt er seine Ausbreitung zu steuern. Das Beobachten des Wetters und die Kommunikation untereinander ermöglichen Bäumen und Samen eine optimale Verbreitung, das Finden der günstigsten Standorte und das Intervenieren in ausgewählten Landschaften zum Sichern der eigenen und anderer Arten. Und kommt mit dieser Handlungsmacht auch das Recht an dieser Entwicklung und lässt sich dieses im kulturellen Netzwerk des Patentrechts sichern?

A Thousand Seeds or the Right to Becoming

Julius Führer

In unserem installativen Performance Projekt setzten wir uns interdisziplinär mit dem Thema der inneren kritischen Stimme auseinander und betrachten diese im Kontext unserer queeren Identitäten. Wir sehen viele unserer eigenen Handlungs- und Denkweisen, auch ‘habits’ als Ergebnis des Versuchs, sich an heteronormative, patriarchale Strukturen anzupassen. Diese Muster des Handeln und Denkens werden immer aufs neue wiederholt, wir befinden uns also in einem Loop. Wir möchten intervenieren und diesen Loop durchbrechen, um in einen neuen Loop zu gelangen, der die kritische Stimme und die damit zusammenhängenden Strukturen hinterfragt und eine unangepasste und queere Lebensrealität zulässt. Oft erfahren wir Selbstkritik sobald wir uns nicht den Normen entsprechend verhalten, also den Erwartungen der Gesellschaft nicht anpassen. Die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Normen und sozialer Rollen geschieht unbewusst und muss deshalb bewusst hinterfragt werden. Wir benutzen unsere Körper sowie unsere Studioarbeit um während der Performance diese Loops der Gewohnheit zu kreieren - aber auch wieder zu durchbrechen. Dabei versuchen wir, dem destruktiven Handlungs- und Denkmuster zu entkommen und einen mentalen Ort zu schaffen, an dem wir unser queeres Selbst akzeptieren. Das Kostüm spielt dabei eine wichtige Rolle, da Kleidung einen unmittelbaren Einfluss darauf hat, wie wir gelesen und welchen gesellschaftlichen Gruppen wir zugeordnet werden. Kostüm und Körper verschmelzen in der Performance zu einer Skulptur, die keine heteronormativen Phenotype reproduziert, sondern die Besucher*innen einlädt ihre kategorischen Seh- Gewohnheiten zu hinterfragen. Wir wollen mit unserer Performance die Besuchenden zum reflektieren einladen. An einem Ort der “Radikale Sanftheit” visuell transportiert und unsere queeren Lebensrealitäten im Bezug auf mentale Gesundheit erfahrbar macht. Wird der Loop durchbrochen?

THE CUTEST CRITICISM - a loop

Elin Laut

Gute Laune / Empty your mind Teknik und Fugaza – The Rave Prod. Project Der interdisziplinäre Künstler und Student der Klasse Prof. Fons Hickmann, Niklas Apfel entwickelt in Kollaboration zu einer Zeit, in der Zusammenarbeit nur schwer zu realisieren war, ein Gesamtkonzept zweier Figuren: Teknik und Fugaza. Die beiden frei erfundenen Identitäten formen sich über Textildruck, Kostüm, Sound, Tanzbewegung, Video und urbane Kulisse. Am Video beteiligte Akteur*innen entwickeln eine audiovisuelle Sprache, die sich an der Subkultur Techno abarbeitet. Apfels Prints funktionieren als Verbindungsstück zwischen Subjekt und Techno Signaturen und verlangen allen beteiligten enge Zusammenarbeit ab: Siebdruck auf Stoff, Stoff wird zu Kleidung und Kutte. Kleider, die sich zu Sound an zwei Körpern wiegen. Tekno zuckt im Nebel zwischen Beton, Fugaza raved inmitten von flatterndenden Plastiksegeln und Aufzugcharme. Während schnellen BPM lassen sich Technik und Fugaza in langen Szenen beobachten: Wummernd, tanzend, posend. Zwei Figuren bilden das "The Rave Prod. Project". Die Figur Teknik entstand im WiSe 20/21 als Arbeit zu dem Seminar "Gute Laune", von Prof Fons Hickmann. Die zweite Figur Fugaza entstand im SoSe 2021 als Bachelorarbeit in der Klasse Prof. Fons Hickmann Direktion, Produktion, Art Direktion: Niklas Apfel, Sound Produktion: Felix Jehn, Mix & Master: The Master, Regie, Grading: ALFA Photo, Kostüm: Niklas Apfel, Nina Ballhause, Sibel Huz, DarstellerInnen: Niklas Apfel, Clara, Vocals: Alida Stricker, Text: Valerie Ludwig

The Rave Prod. Project

Niklas Apfel

Raum 117 @ Grunewaldstraße 2-5, UdK Medienhaus // Dating Apps haben Hochkonjunktur. Vorbei sind die Tage an denen lediglich Babyboomer und Elite Singles sich im World Wide Web auf die Suche nach dem passenden Herzblatt gemacht haben. Tinder, lovoo, Bumble - die Liste der Online-Dating Angebote ist lang. Vor allem in Großstädten boomt der Singlemarkt. Auch in ländlichen Regionen swiped und entdeckt die große Liebe in der nächsten Ortschaft. Doch wie sieht das Ganze eigentlich auf Inseln wie Usedom aus? Selbst Anwohner einer Halbinsel sind durch geografische Gegebenheiten eingeschränkt. Wie lange dauert es sich einmal durch die ganze Insel zu swipen? Werden Touris gedatet oder nur Einheimische und was ist der Dating-Hotspot der Insel, an dem man zu Sommerzeiten die meisten einsamen Seelen trifft? Vor Ort haben wir viele Geschichten erzählt und Perspektiven eröffnet bekommen. Unsere Berliner Vorurteile wurden widerlegt und übertroffen. Natürlich gibt es nicht die eine Datingkultur Usedoms – sie setzt sich wie an anderen Orten auch aus den verschiedenen Menschen, mit ihren individuellen Geschichten und Bedürfnissen zusammen. Menschen auf Usedom suchen die große Liebe genau wie kleine Abenteuer. Lovoo schlägt Tinder und wird auch dazu genutzt, Freundschaften zu schließen. Der Radius ist dabei größer eingestellt als das öffentliche Verkehrsnetz – so suchen manche aktiv nach Menschen über Usedom hinaus, da man bei 76.500 und Schulklassengrößen von teilweise 10 Personen durchaus durch einige Bekannte swiped und nach der großen Auswahl erst suchen muss, gleichzeitig sind die Zugtickets teuer und die Züge verhältnismäßig unflexibel. Wer ein Auto hat gewinnt! Und wer nicht, fährt auch mal mit dem Fahrrad zum nächsten Date – oder fragt Taxifahrer Mike. Der kommt spätestens dann zum Einsatz, wenn die lokale Jugend einmal wieder lange Nächte im „Hühnerstall“, DEM Club Usedoms verbracht hat. Nicht nur die Touris verzaubert der Anblick des Sonnenuntergangs am Strand oder auf dem Achterwasser – ein typisches Date auch für Lokale. Ist das doch zu kitschig, kann beim ersten Treffen auch gerne geskatet werden – außer man gehört der Handballszene an. Menschen aus Berlin bis Bayern kommen nach Usedom, um ihre frisch gewonnene Liebe zu feiern, sie für einen Sommer lang zu finden oder der Ehe zu entfliehen, um sich in ein verbotenes Abenteuer zu stürzen. Ja, und manchmal reicht die Liebe zum gemeinsamen Urlaub auf Usedom auch über den Tod hinaus.

Stadt. Land. Match. - Datingkultur auf Usedom

Irma Hausdorf, Leonie Sophie Anna Fischer, Lea Wessels

Das Ufer fungiert als Konfliktzone, eine unbestimmte Grenze, geographisch und psychologisch. Es wird ein Limit und eine Definition durch die Separierung durch das Wassers geschaffen. Dieser Raum wird genutzt und wirkt so als ein aktiver, verbindender Raum. Zwei Grenzen zeichnende Roboter sind auf zwei unterschiedlichen Inseln platziert: Valentinswerder und Taiwan. Die gezeichnete Linie wird durch das Wasser in einer nie endenden Abfolge verwaschen. So erzählen beide je eine individuelle Geschichte der Insel und ihrer Beziehung zum Festland. Valentinswerder ist eine eng mit dem Rest von Berlin verbundene Insel aufgrund der Nähe und Größe. Das trennende Wasser wird als aktiver Raum genutzt. Trotz der Eigenständigkeit ist die Verbindung zum Festland unabdingbar. Taiwan ist durch die Formosastraße von dem Festland Chinas getrennt, die engste Stelle beträgt nur 130 Kilometer. Für manche ist die Straße eine natürliche Grenze, die ihre Unabhängigkeit schützt. Für andere ist es nur eine Kluft, die sie von der Vergangenheit abschneidet. Die Beziehung zwischen Taiwan und China ist noch immer in Veränderung. Als Inselbewohner können wir laufend unsere Identität in diesem fluktuierenden Spektrum neu bestimmen, wie die Linien vor uns in den Sand zu zeichnen. Linien ziehen ist eine schwerwiegende Aussage, es kann sogar als Ablehnung gesehen werden. Die Linien sind unsere Grenze, unsere Abwehr, unsere Definition. In der Uferzone werden Linien von Wellen verwaschen. Obwohl wir wissen, dass es so kommt, zeichnen wir weiter.

Drawing Borders

Zoe Spehr

Eine Realität hinter der direkt wahrnehmbaren Erscheinung, mit bestimmten psychologischen Komponenten beschäftigt unseren Prozess des Traumaustausches. Die Verzerrung, die Verfremdung, die Dekonstruktion, die Überblendung sind Methoden auf die wir bei der Erforschung des Inneren und Bestimmung des Äußeren zurückgreifen. In einem Gewebe von poetischer Art strömen die Träume zusammen. Netzartig breiten sie sich über die Fläche aus, sind eng miteinander verwoben und erheben sich aus der inneren Welt. Im Territorium der Träume schweben wir, ein Boden wird nicht zum Laufen benötigt. Oben und unten ist undefiniert, den Naturgesetzten können wir trotzen und stellen uns so unterbewusst den innersten Freuden, Ängsten, Begierden und Gedanken. Teilweise kopfüber ragen Elemente einzelner Träume über die Holzplatten. In einem Dschungel an Fäden verstecken sich einzelne Geschichten, die in ihrer Gesamtheit und abhängig von der Leserichtung eine völlig neue Erzählung ergeben. Malerische und textile Verfahren ermöglichen eine Brücke vom inneren zum äußeren und erlauben einen Einblick in einen der intimsten Räume, sowie einen Ausbruch der Träume in die Realität. Es sind nicht mehr nur Träume. Seit dem 05. Mai 2020 steht unser Projektvorhaben der Traumwelten. Über ein halbes Jahr und darüber hinaus haben wir unsere Träume tagtäglich dokumentiert. Dabei sind zahlreiche Texte entstanden, morgendliche Podcasts mit Traumtiteln sowie Zeichnungen. Über eine Entfernung von bis zu 600 km haben wir uns einander Tag für Tag angenähert, einer der intimsten Räume für einander geöffnet und und so Nähe trotz Distanz, die auch der besonderen Situation der Pandemie geschuldet war, gestiftet.

Traumwelten

Sophie Siebert

Für mein Bachelorprojekt »mittendrin unsichtbar« habe ich drei Monate lang Notübernachtungen für wohnungslose Frauen in Berlin besucht, um diese Frauen sichtbar zu machen. Der Gedanke an eine wohnungslose Person ergibt oft ein sehr stigmatisiertes Bild: Ein Mann mit abgetragener Kleidung, der auf der Straße lebt. Dieses vereinfachte Bild der sichtbaren Wohnungslosigkeit steht oft in Verbindung mit gesellschaftlichen Sehkonventionen und wird durch Medien zum Beispiel mit Porträts der Betroffenen verbreitet und verstärkt. Durch solch eine Verzerrung der Wahrnehmung bleiben viele Betroffene unbemerkt: Es sind Frauen, die aus Scham wegen ihrer Notlage und zum Schutz vor Gewalt unauffällig leben und ihre Wohnungslosigkeit verdeckt halten. Betroffene Frauen suchen meist Notübernachtungen auf, um einen sicheren Ort zum Schlafen zu finden. Tagsüber ist ihnen dieser Schutz nicht geboten, da sie die Einrichtungen frühmorgens verlassen müssen. Im Stadtbild fallen sie durch ihr optisches Erscheinungsbild nicht auf und existieren somit kaum in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Sie sind mittendrin – aber unsichtbar. Durch einen Perspektivenwechsel mittels Einwegkameras dokumentieren 13 wohnungslose Frauen ihr alltägliches Leben, um einen Einblick in ihre Lebenssituation zu geben. Sie bleiben auf Wunsch anonym und werden lediglich mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens abgekürzt. Entstanden ist eine Publikation, die sich konzeptionell und in der Gestaltung mit der Thematik der Unsichtbarkeit dieser Frauen befasst, sowie eine Website und ein Instagram Account für eine digitale Sichtbarkeit. Webseite: www.mittendrin-unsichtbar.de | Code Paul Evans Instagram: @mittendrin_unsichtbar Die Suche nach den Frauen war mit sehr vielen Besuchen in verschiedenen Notübernachtungen in Berlin verbunden. Ich bedanke mich bei allen Leiterinnen für ihre hilfsbereite Unterstützung, die Einrichtungen mehrmals besuchen zu können. Mein besonderer Dank gilt allen Frauen für die Teilnahme an dem Projekt. Ich bedanke mich für ihre Offenheit, ihre Wärme und ihr Vertrauen.

mittendrin unsichtbar – Wohnungslose Frauen in Berlin

Ronja Lang

Als „Neobionten” werden solche Spezies (Tiere, Pflanzen, Pilze) bezeichnet, die sich in einem Gebiet außerhalb ihres ursprünglichen Biotops angesiedelt haben. Diese Prozesse sind stets mit komplexen Wechselwirkungen verbunden: Das bedeutet, dass sich nicht nur der Neobiont an seine neue Umgebung anpassen muss, auch das Biotop verändert sich, wenn sich eine neue Spezies etabliert. In zehn, medial verschiedenen Interventionen untersuchen die Design-Studierenden der UdK, ob sich neobiontische Wanderungsprozesse und Wechselwirkungen auch für Artefakte nachweisen lassen. Was passiert mit Objekten, wenn sie ihr Biotop verlassen und in ganz andere Kontexte geraten? Wie werden sich die Objekte in diesen ungewohnten Umgebungen verhalten – und wie diese Umgebungen zu ihnen? Stehen ihre ursprünglichen Funktionen in den anderen Kontexten weiterhin im Vordergrund oder werden sie ganz neu interpretiert? Können sie ungeahnte Werte entfalten oder verlieren sie gänzlich an Relevanz? Derlei Transformationen sind in musealen Kontexten normalerweise nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die Aufgabe des Museums liegt ja gerade darin, die Objekte vor jeglichen Veränderungen zu bewahren. Sie werden aus der lebendigen Welt des Werdens und Vergehens herausgenommen und mit einem semipermeablen Schutzmantel umgeben: hineinschauen möglich, heraus wirksam werden kaum. Dabei haben die meisten von ihnen eine Jahrhunderte lange, oft sehr bewegte Biographie der Wertschaffung und -veränderung, aber auch der Vernichtung hinter sich – inklusive der Raubzüge, und Kriege, die um sie oder um sie herum geführt wurden. Was passiert, wenn wir die still gestellten Objekte entführen und zu neuem Leben erwecken? Wenn wir sie in ungewohnte soziale Kontexte verpflanzen, neue Narrative erfinden und sie auf die Probe stellen? Welche Geschichten lassen sich nach vorne entwickeln – und welche lassen sich erzählen, wenn die derart Verrückten zurückkehren in das museale Biotop? Welche multiplen Dialoge und auch Ansteckungen ereignen sich in den Sammlungs-Räumen des Kunstgewerbemuseums zwischen den Originalen und den neobiontischen Wiederkehrern?

Neobionten

Anja Lapatsch

Die Rauminstallation gazing at the glazing setzt sich aus 60 Riot-Schildern zusammen. Kreuzförmige Edelstahlhalterungen, die durch Edelstahlseile miteinander verknüpft sind, verbinden die einzelnen Schilder zu einem monumentalen Fassaden-Fragment, das unter dem eigenen Gewicht zu kollabieren droht. Die Arbeit besteht aus handelsüblichen Riot-Schildern aus Polycarbonat, wie sie weltweit von polizeilichen Behörden zur Kontrolle und Regulierung von Menschenmassen bei Demonstrationen verwendet werden. Wo die Schilder im städtischen Raum auftauchen, setzen sie ein Zeichen unbestreitbarer Gewalt – ob diktatorisch geführt oder demokratisch legitimiert. In der installativen Situation sind die Riot-Schilder transformiert. Befreit von jeglichen Hoheitszeichen und Symbolen, die auf ihre eigentliche Verwendung verweisen und ohne Tragevorrichtung, die die Schilder einsatzfähig macht, zeigen sie sich auf ihre bloße Form und Materialität reduziert. Sie sind durchlässig für Blicke und erschließen zugleich einen Schutzraum. gazing at the glazing betont in diesem Zusammenhang die politische Dimension von Glasarchitektur, wie z.B. die Grand Projects von François Mitterrand oder die CDU-Zentrale in Berlin, insbesondere mit Blick auf ihre repräsentative Nutzung. Die Glasfassade täuscht vor, die Dichotomie von Innen und Außen, von Akteur und Zuschauer aufzuheben. Das geschieht aber nur auf einer oberflächlichen, performativen Ebene, während die strukturellen Begrenzungen bestehen bleiben. Demokratische Gesellschaften können ebenso Gefahr laufen, unsichtbare Grenzen für eine Abwesenheit von Grenzen zu halten und sich von einer Ästhetik der Transparenz verführen zu lassen.

gazing at the glazing

Viktor Petrov

Das Briefing für den digitalen UdK-Laden war die Basis für ein Projekt, das die Kommunikation der UdK komplett anders denkt. Statt einer Nabelschau, haben die Studierenden schnell das Potenzial erkannt, das sich rund um den neuen UdK:shop für ihre Bedürfnisse ergibt. Herausgekommen ist eine Plattform, das UdK:hub, das sich an den Interessen und am künstlerischen Content, Orientiert und gleichzeitig eine Kommunikationsbasis »Von Studierenden für Studierende« darstellt. Ähnlich einer Mediathek werden hier unter der Marke UdK:hub die Angebote wie der UdK:shop, der UdK:stream, die UdK:gallery, der UdK:pop-up, der UdK:place zusammengefasst. Gleichzeitig können sich die Studierenden unkompliziert interdisziplinär vernetzen, austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln. Erzeugt werden »Sichtbarkeit« und »Mitnehmbarkeit« nach Innen und Außen unter einer Adresse und einer klaren Navigationsstruktur. Studierende aus VK, GWK und PD haben hierfür eine komplettes CI, CD sowohl für die Dachmarke als auch die Untermarken konzipiert und realisiert, mit allem was dazu gehört. Studierende Adel Alameddine (VK), Josephine Aymar (VK), Anna Beilmann (VK), Neïl Benhidjeb (PD), Jasmin Bina Khahi (VK), Nil Cakmak (VK), Franz Deckert (DK), Jonas Gerber (VK), Eva Gerngroß (DK), Dominic Gollanek (VK), Angel Hafermaas (VK), Charlene Kilthau (GWK), Ferdinand Kirsch (VK), Julia Kressirer (VK), Thomas Kuhn (VK), Ha My Le Thi (VK), Guy Levi (VK), Niclas Moos (VK), Nadine Mourad (GWK), Quan Minh Ha (VK), Annemarijn Mulder (VK), Josefine Nitzsche (VK), Katica Pejic (VK), Martha Plättner (VK), Alex Röschel (GWK), Eymen Sahin (VK), Lina Sastimdur (GWK), Elisabeth Schachoff (VK), Manou Schatton (VK), Tess Schwaiger (PD), Robyn Steffen (VK), Maija Suipe (VK), Svea Theiler (GWK), Nora Veismann (VK), Shilong Xu (VK), Isa Zappe (VK) DozentInnen Prof. Uwe Vock, Gosia Warrink, Claudia Malecka (Tutorin) Gast-DozentInnen Sonja Knecht, Gesine Last, Attila Hartwig, Sebastian Herold

UdK:hub // UdK:shop

Claudia Malecka