UdK Berlin Rundgang 2021

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Der Tourismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landschaften und Kulturen weltweit in ein Objekt von Freizeitkonsum zu verwandeln. Dinge, die auf Reisen gekauft werden, sind - neben dem Fotografieren – das wichtigste Mittel, das Dort-gewesen-sein festzuhalten; den flüchtigen Eindruck einer Reise Dauerhaftigkeit zu verleihen. Das Souvenir, die objekthafte und oberflächliche Erinnerung an einen fremden Ort (frz. se souvenir = sich erinnern), kann als Beispiel vor Augen führen, wie sich der moderne, globalisierte Mensch von heute „seine“ Umwelt aneignet und (Urlaubs-) Landschaften verbraucht. Die raumgreifende Installation aus Stahl zeigt sich im Deckmantel eines Souvenirshops, dessen Exponate/ Souvenirs mit einer Augenzwinkernden Träne auf den Ausverkauf der Erde anspielen. In pool-blau steht der Souvenirshop stellvertretend als künstliche Kulisse einer sommerlichen Urlaubslandschaft. Teil davon ist auch eine unbequeme Strandliege mit Sonnenschirm (Tourists only), von der aus man den unendlichen Sonnenuntergang auf einem Servierwagen serviert bekommt. (en. infinitiy sunset = das unendliche Ende). Dabei steht nicht nur das Ladenschild um 2 Grad (Pariser Klimaabkommen) schief. Es werden Souvenirs gezeigt, die sich am Gewöhnlichen bedienen: Herkömmliche Plastikverpackungen fragen mit 3D gedruckte Muscheln nach natürlicher Authentizität, durchgelegene Strandliegen zeigen Spuren der Verwüstung und die Glasgefäße sind für den „Sand von deinem Lieblings-Strand“ oder eher für das „Wasser aus deinem Lieblings-Pool“ gedacht. Selbstverständlich im sprachlichen Gewand deines Lieblingslandes, nur eben so, dass auch jede*r es verstehst. „Wenn die sommerliche Leichtigkeit des globalen Fortschritts zu Ende geht“ Anna Loewenhaupt Tsing

Ein Kommentar zum Ende des Erhabenen

Moritz Korbinian Kreul

Durch Klimawandel, das Schädigen der Biosphäre, Versauerung der Meere, Entwaldung, Müllverschmutzung, Vernichtung der Biodiversität und vielem mehr wird das terrestrische Leben, so wie wir es kennen, bedroht. Zum Vermeiden der Katastrophe werden in unserer zivilisierten, durch Kultur und Technologien bestimmten Welt dabei oft Natürlichkeit und Künstlichkeit miteinander verhandelt. Dabei treten wir als die künstlichen, technologisierten und kulturellen Akteure auf und betrachten die Welt um uns oft als passiv und ursprünglich. Doch sind diese Kategorien obsolet. Natur und Kultur sind vielmehr konstitutiv für einander. Daher erscheint die Frage nach ihren Berührungspunkten spannender. Wo finden die Grenzübergänge statt? Wo wirken die verschiedenen Gefüge aufeinander? Wo geschieht das gemeinsame Werden? Das Werden in Bündnissen? Wer ist mit wem infiziert und welche neuen Gefüge entstehen? In A Thousand Seeds or the Right to Becoming wird die Ansteckung des Samens mit menschlicher Kultur , den Katastrophen, dem Verlust der Biodiversität behandelt. Durch den Affekt mit und die Faszination von menschlichen technologischen Netzwerken wurde auch er zu etwas anderen und tritt heraus aus seiner scheinbaren Passivität und zeigt seine eigene Handlungsmacht. Durch die Erweiterung seiner Wahrnehmung durch den Kontakt zur Drohne und das parasitäre Nutzen des Internets, beginnt er seine Ausbreitung zu steuern. Das Beobachten des Wetters und die Kommunikation untereinander ermöglichen Bäumen und Samen eine optimale Verbreitung, das Finden der günstigsten Standorte und das Intervenieren in ausgewählten Landschaften zum Sichern der eigenen und anderer Arten. Und kommt mit dieser Handlungsmacht auch das Recht an dieser Entwicklung und lässt sich dieses im kulturellen Netzwerk des Patentrechts sichern?

A Thousand Seeds or the Right to Becoming

Julius Führer

Das Briefing für den digitalen UdK-Laden war die Basis für ein Projekt, das die Kommunikation der UdK komplett anders denkt. Statt einer Nabelschau, haben die Studierenden schnell das Potenzial erkannt, das sich rund um den neuen UdK:shop für ihre Bedürfnisse ergibt. Herausgekommen ist eine Plattform, das UdK:hub, das sich an den Interessen und am künstlerischen Content, Orientiert und gleichzeitig eine Kommunikationsbasis »Von Studierenden für Studierende« darstellt. Ähnlich einer Mediathek werden hier unter der Marke UdK:hub die Angebote wie der UdK:shop, der UdK:stream, die UdK:gallery, der UdK:pop-up, der UdK:place zusammengefasst. Gleichzeitig können sich die Studierenden unkompliziert interdisziplinär vernetzen, austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln. Erzeugt werden »Sichtbarkeit« und »Mitnehmbarkeit« nach Innen und Außen unter einer Adresse und einer klaren Navigationsstruktur. Studierende aus VK, GWK und PD haben hierfür eine komplettes CI, CD sowohl für die Dachmarke als auch die Untermarken konzipiert und realisiert, mit allem was dazu gehört. Studierende Adel Alameddine (VK), Josephine Aymar (VK), Anna Beilmann (VK), Neïl Benhidjeb (PD), Jasmin Bina Khahi (VK), Nil Cakmak (VK), Franz Deckert (DK), Jonas Gerber (VK), Eva Gerngroß (DK), Dominic Gollanek (VK), Angel Hafermaas (VK), Charlene Kilthau (GWK), Ferdinand Kirsch (VK), Julia Kressirer (VK), Thomas Kuhn (VK), Ha My Le Thi (VK), Guy Levi (VK), Niclas Moos (VK), Nadine Mourad (GWK), Quan Minh Ha (VK), Annemarijn Mulder (VK), Josefine Nitzsche (VK), Katica Pejic (VK), Martha Plättner (VK), Alex Röschel (GWK), Eymen Sahin (VK), Lina Sastimdur (GWK), Elisabeth Schachoff (VK), Manou Schatton (VK), Tess Schwaiger (PD), Robyn Steffen (VK), Maija Suipe (VK), Svea Theiler (GWK), Nora Veismann (VK), Shilong Xu (VK), Isa Zappe (VK) DozentInnen Prof. Uwe Vock, Gosia Warrink, Claudia Malecka (Tutorin) Gast-DozentInnen Sonja Knecht, Gesine Last, Attila Hartwig, Sebastian Herold

UdK:hub // UdK:shop

Claudia Malecka

Das Ufer fungiert als Konfliktzone, eine unbestimmte Grenze, geographisch und psychologisch. Es wird ein Limit und eine Definition durch die Separierung durch das Wassers geschaffen. Dieser Raum wird genutzt und wirkt so als ein aktiver, verbindender Raum. Zwei Grenzen zeichnende Roboter sind auf zwei unterschiedlichen Inseln platziert: Valentinswerder und Taiwan. Die gezeichnete Linie wird durch das Wasser in einer nie endenden Abfolge verwaschen. So erzählen beide je eine individuelle Geschichte der Insel und ihrer Beziehung zum Festland. Valentinswerder ist eine eng mit dem Rest von Berlin verbundene Insel aufgrund der Nähe und Größe. Das trennende Wasser wird als aktiver Raum genutzt. Trotz der Eigenständigkeit ist die Verbindung zum Festland unabdingbar. Taiwan ist durch die Formosastraße von dem Festland Chinas getrennt, die engste Stelle beträgt nur 130 Kilometer. Für manche ist die Straße eine natürliche Grenze, die ihre Unabhängigkeit schützt. Für andere ist es nur eine Kluft, die sie von der Vergangenheit abschneidet. Die Beziehung zwischen Taiwan und China ist noch immer in Veränderung. Als Inselbewohner können wir laufend unsere Identität in diesem fluktuierenden Spektrum neu bestimmen, wie die Linien vor uns in den Sand zu zeichnen. Linien ziehen ist eine schwerwiegende Aussage, es kann sogar als Ablehnung gesehen werden. Die Linien sind unsere Grenze, unsere Abwehr, unsere Definition. In der Uferzone werden Linien von Wellen verwaschen. Obwohl wir wissen, dass es so kommt, zeichnen wir weiter.

Drawing Borders

Zoe Spehr