UdK Berlin Rundgang 2021

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Für mein Bachelorprojekt »mittendrin unsichtbar« habe ich drei Monate lang Notübernachtungen für wohnungslose Frauen in Berlin besucht, um diese Frauen sichtbar zu machen. Der Gedanke an eine wohnungslose Person ergibt oft ein sehr stigmatisiertes Bild: Ein Mann mit abgetragener Kleidung, der auf der Straße lebt. Dieses vereinfachte Bild der sichtbaren Wohnungslosigkeit steht oft in Verbindung mit gesellschaftlichen Sehkonventionen und wird durch Medien zum Beispiel mit Porträts der Betroffenen verbreitet und verstärkt. Durch solch eine Verzerrung der Wahrnehmung bleiben viele Betroffene unbemerkt: Es sind Frauen, die aus Scham wegen ihrer Notlage und zum Schutz vor Gewalt unauffällig leben und ihre Wohnungslosigkeit verdeckt halten. Betroffene Frauen suchen meist Notübernachtungen auf, um einen sicheren Ort zum Schlafen zu finden. Tagsüber ist ihnen dieser Schutz nicht geboten, da sie die Einrichtungen frühmorgens verlassen müssen. Im Stadtbild fallen sie durch ihr optisches Erscheinungsbild nicht auf und existieren somit kaum in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Sie sind mittendrin – aber unsichtbar. Durch einen Perspektivenwechsel mittels Einwegkameras dokumentieren 13 wohnungslose Frauen ihr alltägliches Leben, um einen Einblick in ihre Lebenssituation zu geben. Sie bleiben auf Wunsch anonym und werden lediglich mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens abgekürzt. Entstanden ist eine Publikation, die sich konzeptionell und in der Gestaltung mit der Thematik der Unsichtbarkeit dieser Frauen befasst, sowie eine Website und ein Instagram Account für eine digitale Sichtbarkeit. Webseite: www.mittendrin-unsichtbar.de | Code Paul Evans Instagram: @mittendrin_unsichtbar Die Suche nach den Frauen war mit sehr vielen Besuchen in verschiedenen Notübernachtungen in Berlin verbunden. Ich bedanke mich bei allen Leiterinnen für ihre hilfsbereite Unterstützung, die Einrichtungen mehrmals besuchen zu können. Mein besonderer Dank gilt allen Frauen für die Teilnahme an dem Projekt. Ich bedanke mich für ihre Offenheit, ihre Wärme und ihr Vertrauen.

mittendrin unsichtbar – Wohnungslose Frauen in Berlin

Ronja Lang

Das Ufer fungiert als Konfliktzone, eine unbestimmte Grenze, geographisch und psychologisch. Es wird ein Limit und eine Definition durch die Separierung durch das Wassers geschaffen. Dieser Raum wird genutzt und wirkt so als ein aktiver, verbindender Raum. Zwei Grenzen zeichnende Roboter sind auf zwei unterschiedlichen Inseln platziert: Valentinswerder und Taiwan. Die gezeichnete Linie wird durch das Wasser in einer nie endenden Abfolge verwaschen. So erzählen beide je eine individuelle Geschichte der Insel und ihrer Beziehung zum Festland. Valentinswerder ist eine eng mit dem Rest von Berlin verbundene Insel aufgrund der Nähe und Größe. Das trennende Wasser wird als aktiver Raum genutzt. Trotz der Eigenständigkeit ist die Verbindung zum Festland unabdingbar. Taiwan ist durch die Formosastraße von dem Festland Chinas getrennt, die engste Stelle beträgt nur 130 Kilometer. Für manche ist die Straße eine natürliche Grenze, die ihre Unabhängigkeit schützt. Für andere ist es nur eine Kluft, die sie von der Vergangenheit abschneidet. Die Beziehung zwischen Taiwan und China ist noch immer in Veränderung. Als Inselbewohner können wir laufend unsere Identität in diesem fluktuierenden Spektrum neu bestimmen, wie die Linien vor uns in den Sand zu zeichnen. Linien ziehen ist eine schwerwiegende Aussage, es kann sogar als Ablehnung gesehen werden. Die Linien sind unsere Grenze, unsere Abwehr, unsere Definition. In der Uferzone werden Linien von Wellen verwaschen. Obwohl wir wissen, dass es so kommt, zeichnen wir weiter.

Drawing Borders

Zoe Spehr

Durch Klimawandel, das Schädigen der Biosphäre, Versauerung der Meere, Entwaldung, Müllverschmutzung, Vernichtung der Biodiversität und vielem mehr wird das terrestrische Leben, so wie wir es kennen, bedroht. Zum Vermeiden der Katastrophe werden in unserer zivilisierten, durch Kultur und Technologien bestimmten Welt dabei oft Natürlichkeit und Künstlichkeit miteinander verhandelt. Dabei treten wir als die künstlichen, technologisierten und kulturellen Akteure auf und betrachten die Welt um uns oft als passiv und ursprünglich. Doch sind diese Kategorien obsolet. Natur und Kultur sind vielmehr konstitutiv für einander. Daher erscheint die Frage nach ihren Berührungspunkten spannender. Wo finden die Grenzübergänge statt? Wo wirken die verschiedenen Gefüge aufeinander? Wo geschieht das gemeinsame Werden? Das Werden in Bündnissen? Wer ist mit wem infiziert und welche neuen Gefüge entstehen? In A Thousand Seeds or the Right to Becoming wird die Ansteckung des Samens mit menschlicher Kultur , den Katastrophen, dem Verlust der Biodiversität behandelt. Durch den Affekt mit und die Faszination von menschlichen technologischen Netzwerken wurde auch er zu etwas anderen und tritt heraus aus seiner scheinbaren Passivität und zeigt seine eigene Handlungsmacht. Durch die Erweiterung seiner Wahrnehmung durch den Kontakt zur Drohne und das parasitäre Nutzen des Internets, beginnt er seine Ausbreitung zu steuern. Das Beobachten des Wetters und die Kommunikation untereinander ermöglichen Bäumen und Samen eine optimale Verbreitung, das Finden der günstigsten Standorte und das Intervenieren in ausgewählten Landschaften zum Sichern der eigenen und anderer Arten. Und kommt mit dieser Handlungsmacht auch das Recht an dieser Entwicklung und lässt sich dieses im kulturellen Netzwerk des Patentrechts sichern?

A Thousand Seeds or the Right to Becoming

Julius Führer

Gute Laune / Empty your mind Teknik und Fugaza – The Rave Prod. Project Der interdisziplinäre Künstler und Student der Klasse Prof. Fons Hickmann, Niklas Apfel entwickelt in Kollaboration zu einer Zeit, in der Zusammenarbeit nur schwer zu realisieren war, ein Gesamtkonzept zweier Figuren: Teknik und Fugaza. Die beiden frei erfundenen Identitäten formen sich über Textildruck, Kostüm, Sound, Tanzbewegung, Video und urbane Kulisse. Am Video beteiligte Akteur*innen entwickeln eine audiovisuelle Sprache, die sich an der Subkultur Techno abarbeitet. Apfels Prints funktionieren als Verbindungsstück zwischen Subjekt und Techno Signaturen und verlangen allen beteiligten enge Zusammenarbeit ab: Siebdruck auf Stoff, Stoff wird zu Kleidung und Kutte. Kleider, die sich zu Sound an zwei Körpern wiegen. Tekno zuckt im Nebel zwischen Beton, Fugaza raved inmitten von flatterndenden Plastiksegeln und Aufzugcharme. Während schnellen BPM lassen sich Technik und Fugaza in langen Szenen beobachten: Wummernd, tanzend, posend. Zwei Figuren bilden das "The Rave Prod. Project". Die Figur Teknik entstand im WiSe 20/21 als Arbeit zu dem Seminar "Gute Laune", von Prof Fons Hickmann. Die zweite Figur Fugaza entstand im SoSe 2021 als Bachelorarbeit in der Klasse Prof. Fons Hickmann Direktion, Produktion, Art Direktion: Niklas Apfel, Sound Produktion: Felix Jehn, Mix & Master: The Master, Regie, Grading: ALFA Photo, Kostüm: Niklas Apfel, Nina Ballhause, Sibel Huz, DarstellerInnen: Niklas Apfel, Clara, Vocals: Alida Stricker, Text: Valerie Ludwig

The Rave Prod. Project

Niklas Apfel