UdK Berlin Rundgang 2021

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In unserem installativen Performance Projekt setzten wir uns interdisziplinär mit dem Thema der inneren kritischen Stimme auseinander und betrachten diese im Kontext unserer queeren Identitäten. Wir sehen viele unserer eigenen Handlungs- und Denkweisen, auch ‘habits’ als Ergebnis des Versuchs, sich an heteronormative, patriarchale Strukturen anzupassen. Diese Muster des Handeln und Denkens werden immer aufs neue wiederholt, wir befinden uns also in einem Loop. Wir möchten intervenieren und diesen Loop durchbrechen, um in einen neuen Loop zu gelangen, der die kritische Stimme und die damit zusammenhängenden Strukturen hinterfragt und eine unangepasste und queere Lebensrealität zulässt. Oft erfahren wir Selbstkritik sobald wir uns nicht den Normen entsprechend verhalten, also den Erwartungen der Gesellschaft nicht anpassen. Die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Normen und sozialer Rollen geschieht unbewusst und muss deshalb bewusst hinterfragt werden. Wir benutzen unsere Körper sowie unsere Studioarbeit um während der Performance diese Loops der Gewohnheit zu kreieren - aber auch wieder zu durchbrechen. Dabei versuchen wir, dem destruktiven Handlungs- und Denkmuster zu entkommen und einen mentalen Ort zu schaffen, an dem wir unser queeres Selbst akzeptieren. Das Kostüm spielt dabei eine wichtige Rolle, da Kleidung einen unmittelbaren Einfluss darauf hat, wie wir gelesen und welchen gesellschaftlichen Gruppen wir zugeordnet werden. Kostüm und Körper verschmelzen in der Performance zu einer Skulptur, die keine heteronormativen Phenotype reproduziert, sondern die Besucher*innen einlädt ihre kategorischen Seh- Gewohnheiten zu hinterfragen. Wir wollen mit unserer Performance die Besuchenden zum reflektieren einladen. An einem Ort der “Radikale Sanftheit” visuell transportiert und unsere queeren Lebensrealitäten im Bezug auf mentale Gesundheit erfahrbar macht. Wird der Loop durchbrochen?

THE CUTEST CRITICISM - a loop

Elin Laut

Bewegung ist Flexibilität. Bewegung ist die Entwicklung vom zweidimensionalem ins dreidimensionale. Bewegung ist Inflation. Bewegung ist BLOBJECT. Inspiriert von aufblasbaren Konstruktionen aus plastischen Strukturen, die durch Luftdruck ihre Form erhalten, entstand die Auseinandersetzung mit aufblasbaren Objekten. „Inflatable Objects“ und „Inflatable Architecture“ haben den Vorteil, dass sich diese durch ihre Flexibilität an verschiedenste Situationen (Krisen) bzw. Bedingungen anpassen können. Durch die Möglichkeiten der Veränderung von Größe, Volumen und Formen sind sie praktisch und transportabel. Luft als allgegenwärtiges Element und „Material“ braucht nur einen Rahmen, um Gestalt anzunehmen und seine Eigenschaften nutzen zu können. BLOBJECT ist ein „Inflatable Object“, das verschiedene Sitzmöglichkeiten anbietet. Durch die zwei materiell und formal unterschiedlichen Elemente ergeben sich ästhetisch als auch funktional verschiedene Varianten. Die beiden Parameter, Pneu & Stahlrohr funktionieren als Antagonisten, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Pneu wird einerseits durch das Metallgerüst in seiner Form verändert. Andererseits wird das Metall durch das Pneu erst benutzbar gemacht. Durch die Flexibilität des pneumatischen Körpers und der Form des Metallgestells ergeben sich auf den vier unterschiedlichen Seiten variierende Sitzmöglichkeiten und Nutzbarkeiten. Aufgrund der Leichtigkeit des Pneus und der simplen Gestaltung des Stahlrohrs ist BLOBJECT mobil und kann an beliebigen Orte bewegt und installiert werden.

BLOBJECT

Theresa Schwaiger

Das Ufer fungiert als Konfliktzone, eine unbestimmte Grenze, geographisch und psychologisch. Es wird ein Limit und eine Definition durch die Separierung durch das Wassers geschaffen. Dieser Raum wird genutzt und wirkt so als ein aktiver, verbindender Raum. Zwei Grenzen zeichnende Roboter sind auf zwei unterschiedlichen Inseln platziert: Valentinswerder und Taiwan. Die gezeichnete Linie wird durch das Wasser in einer nie endenden Abfolge verwaschen. So erzählen beide je eine individuelle Geschichte der Insel und ihrer Beziehung zum Festland. Valentinswerder ist eine eng mit dem Rest von Berlin verbundene Insel aufgrund der Nähe und Größe. Das trennende Wasser wird als aktiver Raum genutzt. Trotz der Eigenständigkeit ist die Verbindung zum Festland unabdingbar. Taiwan ist durch die Formosastraße von dem Festland Chinas getrennt, die engste Stelle beträgt nur 130 Kilometer. Für manche ist die Straße eine natürliche Grenze, die ihre Unabhängigkeit schützt. Für andere ist es nur eine Kluft, die sie von der Vergangenheit abschneidet. Die Beziehung zwischen Taiwan und China ist noch immer in Veränderung. Als Inselbewohner können wir laufend unsere Identität in diesem fluktuierenden Spektrum neu bestimmen, wie die Linien vor uns in den Sand zu zeichnen. Linien ziehen ist eine schwerwiegende Aussage, es kann sogar als Ablehnung gesehen werden. Die Linien sind unsere Grenze, unsere Abwehr, unsere Definition. In der Uferzone werden Linien von Wellen verwaschen. Obwohl wir wissen, dass es so kommt, zeichnen wir weiter.

Drawing Borders

Zoe Spehr

Durch Klimawandel, das Schädigen der Biosphäre, Versauerung der Meere, Entwaldung, Müllverschmutzung, Vernichtung der Biodiversität und vielem mehr wird das terrestrische Leben, so wie wir es kennen, bedroht. Zum Vermeiden der Katastrophe werden in unserer zivilisierten, durch Kultur und Technologien bestimmten Welt dabei oft Natürlichkeit und Künstlichkeit miteinander verhandelt. Dabei treten wir als die künstlichen, technologisierten und kulturellen Akteure auf und betrachten die Welt um uns oft als passiv und ursprünglich. Doch sind diese Kategorien obsolet. Natur und Kultur sind vielmehr konstitutiv für einander. Daher erscheint die Frage nach ihren Berührungspunkten spannender. Wo finden die Grenzübergänge statt? Wo wirken die verschiedenen Gefüge aufeinander? Wo geschieht das gemeinsame Werden? Das Werden in Bündnissen? Wer ist mit wem infiziert und welche neuen Gefüge entstehen? In A Thousand Seeds or the Right to Becoming wird die Ansteckung des Samens mit menschlicher Kultur , den Katastrophen, dem Verlust der Biodiversität behandelt. Durch den Affekt mit und die Faszination von menschlichen technologischen Netzwerken wurde auch er zu etwas anderen und tritt heraus aus seiner scheinbaren Passivität und zeigt seine eigene Handlungsmacht. Durch die Erweiterung seiner Wahrnehmung durch den Kontakt zur Drohne und das parasitäre Nutzen des Internets, beginnt er seine Ausbreitung zu steuern. Das Beobachten des Wetters und die Kommunikation untereinander ermöglichen Bäumen und Samen eine optimale Verbreitung, das Finden der günstigsten Standorte und das Intervenieren in ausgewählten Landschaften zum Sichern der eigenen und anderer Arten. Und kommt mit dieser Handlungsmacht auch das Recht an dieser Entwicklung und lässt sich dieses im kulturellen Netzwerk des Patentrechts sichern?

A Thousand Seeds or the Right to Becoming

Julius Führer