UdK Berlin Rundgang 2021

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Gute Laune / Empty your mind Teknik und Fugaza – The Rave Prod. Project Der interdisziplinäre Künstler und Student der Klasse Prof. Fons Hickmann, Niklas Apfel entwickelt in Kollaboration zu einer Zeit, in der Zusammenarbeit nur schwer zu realisieren war, ein Gesamtkonzept zweier Figuren: Teknik und Fugaza. Die beiden frei erfundenen Identitäten formen sich über Textildruck, Kostüm, Sound, Tanzbewegung, Video und urbane Kulisse. Am Video beteiligte Akteur*innen entwickeln eine audiovisuelle Sprache, die sich an der Subkultur Techno abarbeitet. Apfels Prints funktionieren als Verbindungsstück zwischen Subjekt und Techno Signaturen und verlangen allen beteiligten enge Zusammenarbeit ab: Siebdruck auf Stoff, Stoff wird zu Kleidung und Kutte. Kleider, die sich zu Sound an zwei Körpern wiegen. Tekno zuckt im Nebel zwischen Beton, Fugaza raved inmitten von flatterndenden Plastiksegeln und Aufzugcharme. Während schnellen BPM lassen sich Technik und Fugaza in langen Szenen beobachten: Wummernd, tanzend, posend. Zwei Figuren bilden das "The Rave Prod. Project". Die Figur Teknik entstand im WiSe 20/21 als Arbeit zu dem Seminar "Gute Laune", von Prof Fons Hickmann. Die zweite Figur Fugaza entstand im SoSe 2021 als Bachelorarbeit in der Klasse Prof. Fons Hickmann Direktion, Produktion, Art Direktion: Niklas Apfel, Sound Produktion: Felix Jehn, Mix & Master: The Master, Regie, Grading: ALFA Photo, Kostüm: Niklas Apfel, Nina Ballhause, Sibel Huz, DarstellerInnen: Niklas Apfel, Clara, Vocals: Alida Stricker, Text: Valerie Ludwig

The Rave Prod. Project

Niklas Apfel

Für mein Bachelorprojekt »mittendrin unsichtbar« habe ich drei Monate lang Notübernachtungen für wohnungslose Frauen in Berlin besucht, um diese Frauen sichtbar zu machen. Der Gedanke an eine wohnungslose Person ergibt oft ein sehr stigmatisiertes Bild: Ein Mann mit abgetragener Kleidung, der auf der Straße lebt. Dieses vereinfachte Bild der sichtbaren Wohnungslosigkeit steht oft in Verbindung mit gesellschaftlichen Sehkonventionen und wird durch Medien zum Beispiel mit Porträts der Betroffenen verbreitet und verstärkt. Durch solch eine Verzerrung der Wahrnehmung bleiben viele Betroffene unbemerkt: Es sind Frauen, die aus Scham wegen ihrer Notlage und zum Schutz vor Gewalt unauffällig leben und ihre Wohnungslosigkeit verdeckt halten. Betroffene Frauen suchen meist Notübernachtungen auf, um einen sicheren Ort zum Schlafen zu finden. Tagsüber ist ihnen dieser Schutz nicht geboten, da sie die Einrichtungen frühmorgens verlassen müssen. Im Stadtbild fallen sie durch ihr optisches Erscheinungsbild nicht auf und existieren somit kaum in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Sie sind mittendrin – aber unsichtbar. Durch einen Perspektivenwechsel mittels Einwegkameras dokumentieren 13 wohnungslose Frauen ihr alltägliches Leben, um einen Einblick in ihre Lebenssituation zu geben. Sie bleiben auf Wunsch anonym und werden lediglich mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens abgekürzt. Entstanden ist eine Publikation, die sich konzeptionell und in der Gestaltung mit der Thematik der Unsichtbarkeit dieser Frauen befasst, sowie eine Website und ein Instagram Account für eine digitale Sichtbarkeit. Webseite: www.mittendrin-unsichtbar.de | Code Paul Evans Instagram: @mittendrin_unsichtbar Die Suche nach den Frauen war mit sehr vielen Besuchen in verschiedenen Notübernachtungen in Berlin verbunden. Ich bedanke mich bei allen Leiterinnen für ihre hilfsbereite Unterstützung, die Einrichtungen mehrmals besuchen zu können. Mein besonderer Dank gilt allen Frauen für die Teilnahme an dem Projekt. Ich bedanke mich für ihre Offenheit, ihre Wärme und ihr Vertrauen.

mittendrin unsichtbar – Wohnungslose Frauen in Berlin

Ronja Lang

Der Tourismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landschaften und Kulturen weltweit in ein Objekt von Freizeitkonsum zu verwandeln. Dinge, die auf Reisen gekauft werden, sind - neben dem Fotografieren – das wichtigste Mittel, das Dort-gewesen-sein festzuhalten; den flüchtigen Eindruck einer Reise Dauerhaftigkeit zu verleihen. Das Souvenir, die objekthafte und oberflächliche Erinnerung an einen fremden Ort (frz. se souvenir = sich erinnern), kann als Beispiel vor Augen führen, wie sich der moderne, globalisierte Mensch von heute „seine“ Umwelt aneignet und (Urlaubs-) Landschaften verbraucht. Die raumgreifende Installation aus Stahl zeigt sich im Deckmantel eines Souvenirshops, dessen Exponate/ Souvenirs mit einer Augenzwinkernden Träne auf den Ausverkauf der Erde anspielen. In pool-blau steht der Souvenirshop stellvertretend als künstliche Kulisse einer sommerlichen Urlaubslandschaft. Teil davon ist auch eine unbequeme Strandliege mit Sonnenschirm (Tourists only), von der aus man den unendlichen Sonnenuntergang auf einem Servierwagen serviert bekommt. (en. infinitiy sunset = das unendliche Ende). Dabei steht nicht nur das Ladenschild um 2 Grad (Pariser Klimaabkommen) schief. Es werden Souvenirs gezeigt, die sich am Gewöhnlichen bedienen: Herkömmliche Plastikverpackungen fragen mit 3D gedruckte Muscheln nach natürlicher Authentizität, durchgelegene Strandliegen zeigen Spuren der Verwüstung und die Glasgefäße sind für den „Sand von deinem Lieblings-Strand“ oder eher für das „Wasser aus deinem Lieblings-Pool“ gedacht. Selbstverständlich im sprachlichen Gewand deines Lieblingslandes, nur eben so, dass auch jede*r es verstehst. „Wenn die sommerliche Leichtigkeit des globalen Fortschritts zu Ende geht“ Anna Loewenhaupt Tsing

Ein Kommentar zum Ende des Erhabenen

Moritz Korbinian Kreul

Raum 117 @ Grunewaldstraße 2-5, UdK Medienhaus // Dating Apps haben Hochkonjunktur. Vorbei sind die Tage an denen lediglich Babyboomer und Elite Singles sich im World Wide Web auf die Suche nach dem passenden Herzblatt gemacht haben. Tinder, lovoo, Bumble - die Liste der Online-Dating Angebote ist lang. Vor allem in Großstädten boomt der Singlemarkt. Auch in ländlichen Regionen swiped und entdeckt die große Liebe in der nächsten Ortschaft. Doch wie sieht das Ganze eigentlich auf Inseln wie Usedom aus? Selbst Anwohner einer Halbinsel sind durch geografische Gegebenheiten eingeschränkt. Wie lange dauert es sich einmal durch die ganze Insel zu swipen? Werden Touris gedatet oder nur Einheimische und was ist der Dating-Hotspot der Insel, an dem man zu Sommerzeiten die meisten einsamen Seelen trifft? Vor Ort haben wir viele Geschichten erzählt und Perspektiven eröffnet bekommen. Unsere Berliner Vorurteile wurden widerlegt und übertroffen. Natürlich gibt es nicht die eine Datingkultur Usedoms – sie setzt sich wie an anderen Orten auch aus den verschiedenen Menschen, mit ihren individuellen Geschichten und Bedürfnissen zusammen. Menschen auf Usedom suchen die große Liebe genau wie kleine Abenteuer. Lovoo schlägt Tinder und wird auch dazu genutzt, Freundschaften zu schließen. Der Radius ist dabei größer eingestellt als das öffentliche Verkehrsnetz – so suchen manche aktiv nach Menschen über Usedom hinaus, da man bei 76.500 und Schulklassengrößen von teilweise 10 Personen durchaus durch einige Bekannte swiped und nach der großen Auswahl erst suchen muss, gleichzeitig sind die Zugtickets teuer und die Züge verhältnismäßig unflexibel. Wer ein Auto hat gewinnt! Und wer nicht, fährt auch mal mit dem Fahrrad zum nächsten Date – oder fragt Taxifahrer Mike. Der kommt spätestens dann zum Einsatz, wenn die lokale Jugend einmal wieder lange Nächte im „Hühnerstall“, DEM Club Usedoms verbracht hat. Nicht nur die Touris verzaubert der Anblick des Sonnenuntergangs am Strand oder auf dem Achterwasser – ein typisches Date auch für Lokale. Ist das doch zu kitschig, kann beim ersten Treffen auch gerne geskatet werden – außer man gehört der Handballszene an. Menschen aus Berlin bis Bayern kommen nach Usedom, um ihre frisch gewonnene Liebe zu feiern, sie für einen Sommer lang zu finden oder der Ehe zu entfliehen, um sich in ein verbotenes Abenteuer zu stürzen. Ja, und manchmal reicht die Liebe zum gemeinsamen Urlaub auf Usedom auch über den Tod hinaus.

Stadt. Land. Match. - Datingkultur auf Usedom

Irma Hausdorf, Leonie Sophie Anna Fischer, Lea Wessels