UdK Berlin Rundgang 2021

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  • Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin

Die Rauminstallation gazing at the glazing setzt sich aus 60 Riot-Schildern zusammen. Kreuzförmige Edelstahlhalterungen, die durch Edelstahlseile miteinander verknüpft sind, verbinden die einzelnen Schilder zu einem monumentalen Fassaden-Fragment, das unter dem eigenen Gewicht zu kollabieren droht. Die Arbeit besteht aus handelsüblichen Riot-Schildern aus Polycarbonat, wie sie weltweit von polizeilichen Behörden zur Kontrolle und Regulierung von Menschenmassen bei Demonstrationen verwendet werden. Wo die Schilder im städtischen Raum auftauchen, setzen sie ein Zeichen unbestreitbarer Gewalt – ob diktatorisch geführt oder demokratisch legitimiert. In der installativen Situation sind die Riot-Schilder transformiert. Befreit von jeglichen Hoheitszeichen und Symbolen, die auf ihre eigentliche Verwendung verweisen und ohne Tragevorrichtung, die die Schilder einsatzfähig macht, zeigen sie sich auf ihre bloße Form und Materialität reduziert. Sie sind durchlässig für Blicke und erschließen zugleich einen Schutzraum. gazing at the glazing betont in diesem Zusammenhang die politische Dimension von Glasarchitektur, wie z.B. die Grand Projects von François Mitterrand oder die CDU-Zentrale in Berlin, insbesondere mit Blick auf ihre repräsentative Nutzung. Die Glasfassade täuscht vor, die Dichotomie von Innen und Außen, von Akteur und Zuschauer aufzuheben. Das geschieht aber nur auf einer oberflächlichen, performativen Ebene, während die strukturellen Begrenzungen bestehen bleiben. Demokratische Gesellschaften können ebenso Gefahr laufen, unsichtbare Grenzen für eine Abwesenheit von Grenzen zu halten und sich von einer Ästhetik der Transparenz verführen zu lassen.

gazing at the glazing

Viktor Petrov

Eine Realität hinter der direkt wahrnehmbaren Erscheinung, mit bestimmten psychologischen Komponenten beschäftigt unseren Prozess des Traumaustausches. Die Verzerrung, die Verfremdung, die Dekonstruktion, die Überblendung sind Methoden auf die wir bei der Erforschung des Inneren und Bestimmung des Äußeren zurückgreifen. In einem Gewebe von poetischer Art strömen die Träume zusammen. Netzartig breiten sie sich über die Fläche aus, sind eng miteinander verwoben und erheben sich aus der inneren Welt. Im Territorium der Träume schweben wir, ein Boden wird nicht zum Laufen benötigt. Oben und unten ist undefiniert, den Naturgesetzten können wir trotzen und stellen uns so unterbewusst den innersten Freuden, Ängsten, Begierden und Gedanken. Teilweise kopfüber ragen Elemente einzelner Träume über die Holzplatten. In einem Dschungel an Fäden verstecken sich einzelne Geschichten, die in ihrer Gesamtheit und abhängig von der Leserichtung eine völlig neue Erzählung ergeben. Malerische und textile Verfahren ermöglichen eine Brücke vom inneren zum äußeren und erlauben einen Einblick in einen der intimsten Räume, sowie einen Ausbruch der Träume in die Realität. Es sind nicht mehr nur Träume. Seit dem 05. Mai 2020 steht unser Projektvorhaben der Traumwelten. Über ein halbes Jahr und darüber hinaus haben wir unsere Träume tagtäglich dokumentiert. Dabei sind zahlreiche Texte entstanden, morgendliche Podcasts mit Traumtiteln sowie Zeichnungen. Über eine Entfernung von bis zu 600 km haben wir uns einander Tag für Tag angenähert, einer der intimsten Räume für einander geöffnet und und so Nähe trotz Distanz, die auch der besonderen Situation der Pandemie geschuldet war, gestiftet.

Traumwelten

Sophie Siebert

In unserem installativen Performance Projekt setzten wir uns interdisziplinär mit dem Thema der inneren kritischen Stimme auseinander und betrachten diese im Kontext unserer queeren Identitäten. Wir sehen viele unserer eigenen Handlungs- und Denkweisen, auch ‘habits’ als Ergebnis des Versuchs, sich an heteronormative, patriarchale Strukturen anzupassen. Diese Muster des Handeln und Denkens werden immer aufs neue wiederholt, wir befinden uns also in einem Loop. Wir möchten intervenieren und diesen Loop durchbrechen, um in einen neuen Loop zu gelangen, der die kritische Stimme und die damit zusammenhängenden Strukturen hinterfragt und eine unangepasste und queere Lebensrealität zulässt. Oft erfahren wir Selbstkritik sobald wir uns nicht den Normen entsprechend verhalten, also den Erwartungen der Gesellschaft nicht anpassen. Die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Normen und sozialer Rollen geschieht unbewusst und muss deshalb bewusst hinterfragt werden. Wir benutzen unsere Körper sowie unsere Studioarbeit um während der Performance diese Loops der Gewohnheit zu kreieren - aber auch wieder zu durchbrechen. Dabei versuchen wir, dem destruktiven Handlungs- und Denkmuster zu entkommen und einen mentalen Ort zu schaffen, an dem wir unser queeres Selbst akzeptieren. Das Kostüm spielt dabei eine wichtige Rolle, da Kleidung einen unmittelbaren Einfluss darauf hat, wie wir gelesen und welchen gesellschaftlichen Gruppen wir zugeordnet werden. Kostüm und Körper verschmelzen in der Performance zu einer Skulptur, die keine heteronormativen Phenotype reproduziert, sondern die Besucher*innen einlädt ihre kategorischen Seh- Gewohnheiten zu hinterfragen. Wir wollen mit unserer Performance die Besuchenden zum reflektieren einladen. An einem Ort der “Radikale Sanftheit” visuell transportiert und unsere queeren Lebensrealitäten im Bezug auf mentale Gesundheit erfahrbar macht. Wird der Loop durchbrochen?

THE CUTEST CRITICISM - a loop

Elin Laut